"Nur so halb" - ein Fotoprojekt über unseren Alltag in der Corona-Pandemie

Der Lockdown war eine klare Sache. Wer konnte, sollte zuhause bleiben. Die Strassen waren leer, viele Geschäfte geschlossen. Für mich war diese Zeit eine große Stille, die irgendwo zwischen unheimlich und erholsam lag. Ich weiß natürlich auch, dass andere in dieser Zeit an Ihre Grenzen und darüber hinaus gingen. Der große Ausbruch ist ausgeblieben, die Massnahmen werden gelockert und die Realitäten nähern sich wieder an. Wir alle wünschen uns das normale Leben zurück, aber das geht momentan „Nur so halb“. Das fängt damit an, dass die Gesichter hinter den Masken „nur so halb“ zu sehen sind. Die Schulen und Kindergärten öffnen wieder, mit halbierten Gruppen und geteilten Räumen. Restaurants können eine geringere Anzahl Gäste bedienen, Geschäfte haben Kunden-beschränkungen. Auch private Treffen sind wieder möglich, Umarmungen dagegen nicht. Es ist irgendwie alles „Nur so halb“.  Ich fühle mich selber „Nur so halb“,  wackelig und unsicher in meinen Schritten und Entscheidungen.

Ist „nur so halb“ die neue Normalität oder bald nur noch eine Erinnerung?

Diese Frage beschäftigt mich und deshalb möchte ich das alles „Nur so halb“ fotografieren und festhalten. Dabei bin ich völlig offen, was ich fotografiere – Firmen, Läden, Menschen, Institutionen, Familien, Ausflüge. Gerne auch mit ein paar Sätzen, welche Hälfte Euch fehlt und welche vielleicht auch nicht. 

Meldet Euch bei mir und zeigt mir Euer „Nur so halb“.

Das Ganze ist natürlich kostenlos. Einzige Voraussetzung ist, dass ich die Bilder veröffentlichen und nutzen darf. Hier ist mein Kontakt

Es gibt so viele Bereiche, aus denen ich noch gerne Menschen und Geschichten zeigen würde und ich lasse mich gerne überraschen. Trotzdem suche ich auch nach Motive und Gesprächspartnern aus folgenden Bereichen:

  • Pflege / Pflegeheim/ Besuche im Pflegeheim
  • Krankenhaus / Gesundheit allgemein
  • Schule mit „halbierten“ Gängen
  • Schwangerschaft/Geburt/Nachsorge
  • Kultur (Kino, Theater, Museum)
  • Beruf am Menschen ( z.Bsp.Kosmetikerin, Friseur, Physiotherapie o.ä.)
  • Familienfeiern (Hochzeit/Taufe o.ä.)
  • ÖPNV  z.Bsp. Zugbegleiter/in fände ich toll

Henrys Vater verbringt die Wintermonate gerne in Argentinien. Er kennt sich dort gut aus, hat mit seiner Frau eine Wohnung in Buenos Aires und spricht fließend Spanisch. Anfang Februar hatte er dort einen Unfall und musste operiert werden, es gab Komplikationen und Henry flog auf Anraten der Ärzte hin. Dann verbesserte sich sein Zustand und Henry flog zurück nach Deutschland, auch um hier alles für die Rückkehr vorzubereiten. Und dann kam Corona und damit wurde alles schwierig. Der Vater war auf der Liste für eine Rückholaktion der Deutschen Botschaft, wurde dann aber für „nicht reisefähig“ erklärt. Sein physischer und physischer Zustand ist sehr instabil. In Deutschland führt Henry endlose Telefonate und E-Mail-Kommunikationen mit der Krankenkasse, der Beihilfe, dem Auswärtigen Amt, dem ADAC und allen, die sonst noch helfen könnten. Wegen der Zeitverschiebung finden die Gespräche mit den argentinischen Ärzten, der Stiefmutter oder seinem Vater immer am späten Abend statt. Das raubt ihm den Schlaf und macht ihm zusätzlich zu schaffen. Einen Flug nach Argentinien gibt es auf absehbare Zeit nicht. 

Henry: „Die Hilflosigkeit ist am anstrengendsten. Tagsüber versuche ich die Realität in Argentinien auszublenden, um arbeiten und funktionieren zu können. Abends kommen dann die WhatsApp-Sprachnachrichten und Telefonate. Dann ist häufig wieder alles anders, manchmal besser, meistens schlechter. Und dann kommt hier die Nacht und mit ihr die Gedanken, die Sorgen und die Schlaflosigkeit. Inzwischen ist mein Vater ein Pflegefall. An einen Rücktransport ist nicht zu denken, Flüge nach Argentinien gibt es nicht – und wenn es sie gäbe dürfte ich ihn drüben wegen Corona nicht besuchen. Anfang Juli gab es dann die ersten Coronafälle in der Klinik, in dem mein Vater liegt. Mit meiner Stiefmutter und Stiefschwester sind wir zu fernen Beobachtern einer vielleicht letzten Reise geworden, deren Verlauf wir kaum beeinflussen können.“


Das THW Pforzheim hat 106 ehrenamtliche Helfer und normalerweise treffen sich jede Woche ca. 50 Männer und Frauen um sich in ihren Bereichen auszubilden und zu üben. Während des Lockdowns mussten die Helfer zwar einsatzbereit sein und wurden auch angefordert, die Ausbildung aber kam über 3 Monate komplett zum erliegen. Gruppenführer der Fachgruppe „Räumen“ ist Daniel Klett und er ist einer der Wenigen, die den Kettenbagger fahren können. Der Kettenbagger wiederum ist der Einzige in Baden-Württemberg und wird landesweit angefordert. Also muss Daniel Klett dringend weitere Maschinisten ausbilden. So kann keiner der Bereiche einfach monatelang auf Übung und Training verzichten. Die Führung des THW Pforzheim hat  entschieden, die unterschiedlichen Fachgruppen an unterschiedlichen Abenden auf das Gelände zu lassen. Es geht gerade nicht anders, das THW muss einsatzbereit bleiben, aber das Gemeinschaftsgefühl und die gute Kameradschaft bleiben so ein bisschen auf der Strecke. 

Daniel Klett: „Während den 13 Wochen ohne Übungsdienst habe ich mich mit meinen Helfern leider nur per Videochat austauschen können. Dort haben wir fleißig Pläne geschmiedet wie es hoffentlich bald nach dem Lockdown für uns weiter geht und unsere langjährigen Freundschaften auch in dieser schwierigen Zeit aufrecht erhalten. Wenn wir uns jetzt wieder wöchentlich treffen um unsere Maschinen und Fahrzeuge zu bedienen, werden die routinierten Abläufe gefestigt. Im Einsatz ist es wichtig, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Trotz Corona Sicherheitsmaßnahmen ist es für mich sehr wertvoll die Menschen wieder live zu erleben.“


Hans Bambach ist Taekwondo Lehrer 6.Dan. Er unterrichtet in Birkenfeld und im Fitness Forum in Neuenbürg  die koreanische Kampfsportart Taekwondo für Kinder, Jugendliche , Erwachsene und Senioren. Ihre Kinder haben ihn und seine Frau Renate überredet den Unterricht online weiterzuführen. Jetzt sieht das Wohnzimmer von Bambachs etwas komisch aus. Esstisch, Couchgarnitur und Fernseher drängeln sich in eine Ecke, der Rest ist freigeräumt und dient als Aufnahmestudio. Im Aufnahmestudio wohnt DAN, eine Schaufensterpuppe, die Hans Bambach aus einem ehemaligen Textilgeschäft erworben hat. Jetzt ist DAN  sportlich bekleidet und muß sich immer wieder von Hans Bambach treten lassen. Seine Frau Renate filmt und so haben sie in den letzten Wochen ingesamt 45 Trainingseinheiten gestreamt. Beide hatten offensichtlich Spaß und sind sehr stolz darauf. Trotzdem freuen sie sich, daß inzwischen Liveunterricht möglich ist und setzen geduldig jede Vorschrift um, damit sie Ihren Schülern wieder gegenüberstehen können – mit Abstand natürlich.  

Hans Bambach: „Uns war klar, wir müssen schnell handeln um unsere Schüler auch, wenn nur halb so während der Corona Pandemie zu erreichen. Der tägliche Online Unterricht bot uns in dieser Zeit einen straffen Zeitplan und man hatte eine Perspektive, wenn auch nur halb so, ohne Kontakt zu den Sportlern. Heute ist es etwas besser mit dem Liveunterricht, aber auch nur halb so, denn es gibt eine Teilnehmerbegrenzung. Man muss sich nur auf die Situation einstellen und positiv den veränderten Zeiten entgegen schauen. Jede Veränderung auch hier bei unserem Sport durch die Abstandsregeln usw lässt neue Ideen wachsen. Wir freuen uns auf das gemeinsame Training mit den Taekwondo Begeisterten .“


Cathrin Daubenberger ist seit 15 Jahren Tagesmutter in Birkenfeld-Gräfenhausen und sie liebt Ihren Beruf und die Kinder. Freitags zu erfahren, daß sie ab Montag „geschlossen“ hat war schlimm für sie. Inzwischen dürfen die Kinder wieder kommen, wenn auch nicht Alle und nicht im gewohnten Umfang. Aber es ist ein Anfang, der Ihr, den Kindern und den Eltern gut tut.

Cathrin: „Wir sind nicht vollzählig…zwei Kinder dürfen wegen dem Platzsharing Verbot immer noch nicht kommen..Es ist traurig zu sehen dass alles wieder anläuft und man bereit ist, seine Berufung fortzusetzen, aber das Land einem Steine in den Weg legt, die nicht sein müssten. Wir bleiben natürlich in Kontakt, per Whats App, Briefe, Bilder und Videos bin ich mit den Kindern verbunden, aber sie sind nicht da, und sie fehlen… Durch die kleine Gruppe bei mir bin ich mit den Kindern eng verbunden und das wird unter solchen Bedingungen allen noch viel bewusster.Die anderen Kinder und ich sind traurig, dass nicht alle da sein dürfen, und dadurch gemeinsame , wertvolle Spiel -und Förderzeit verpasst wird. Wir hoffen auf baldige gute Entscheidungen in der alle Kinder berücksichtigt werden.“


Das Projekt „Los“ ist ein Intergationskurs für Frauen mit Fluchthintergrund von Q-Prints & Service GmbH, dem Familienzentrum Au und dem Kulturamt der Stadt Pforzhem. Die Sprachwissenschaftlerin Farinaz Kiefer unterrichtet hier die Frauen in der deutschen Sprache. Die Hygieneregeln müssen auch hier eingehalten werden und viele Unterrichtsmethoden können gerade nicht angewendet werden. Außerdem ist keine Kinderbetreuung möglich. Die Frauen sind trotzdem sehr froh, wieder gemeinsam lernen zu dürfen.

Farinaz Kiefer: „Etwas altmodisch und zu frontal? Vieles hat sich in letzter Zeit im Klassenzimmer geändert. Gruppenarbeiten, Karten- und Würfelspiele sind nicht mehr möglich. Das Festigen des Wortschatzes durch die Anregung des haptischen Lernkanales (Anfassen) kann ebenfalls nicht mehr erfolgen. Der Unterricht mag ja ein wenig komisch geworden sein, aber wie man so schön sagt: „Wenn ein Sinn ausfällt, hilft ein anderer.“ Visualisierungen treten deshalb mehr in den Vordergrund und werden unterstützt durch den Einsatz der digitalen Medien und fördern somit neben den Sprachkenntnissen zugleich neue Kompetenzbereiche im digitalen Umfeld.“


Stefanie Seemann ist seit 2016 Landtagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Enz. Ihre Arbeit hat sich in den letzten Monaten sehr verändert. Sitzungen finden jetzt meist online, oder als „Hybridsitzung“ online und offline statt. Wenn sich die gesamte Grüne Fraktion trifft, weicht man in den Plenarsaal aus. Das alles ist immer mit vielen Absprachen und Organisation verbunden. Frau Seemann fehlen die persönlichen Kontakte außerhalb der Landtagsarbeit. Veranstaltungen, Feste, Treffen, Besuchergruppen, das alles sind Gelegenheiten mit den Menschen im Wahlkreis ins Gespräch zu kommen und ein großer Teil Ihrer Arbeit.

Stefanie Seemann: „Es ist erstaunlich, wie schnell die Umstellung auf digitale Formate funktioniert hat. Video- oder Telefonkonferenzen sind schon fast Standard geworden. Aber mir fehlen die direkten Kontakte zu den Menschen sehr. Gerade der informelle Austausch am Rande von Sitzungen und Veranstaltungen ist für mich als Politikerin extrem wichtig, um zu verstehen, was den Menschen auf den Nägeln brennt. In digitalen Veranstaltungen gibt es keinen Blickkontakt, keine Möglichkeit der non-verbalen Kommunikation. Deshalb sind diese tatsächlich „nur so halb“. Trotzdem sehe ich auch die positiven Seiten. Ich gehe davon aus, dass künftig gerade in Wirtschaft und Verwaltung sehr genau überlegt wird, ob jemand für eine kurze Sitzung hunderte Kilometer fahren oder fliegen muss.“


Seit 2010 arbeitet Susanne Gamber als freie Traurednerin. Mit einem Team von inzwischen 7 Rednern, gestaltet sie Hochzeiten als stimmungsvolle Ergänzung zur eher nüchternen standesamtlichen Trauung. Als  im März so langsam klar wurde, daß es auf absehbare Zeit keine großen Feiern geben wird, hatte sie im Wochentakt weinende Bräute am Telefon, die ihre Hochzeit verschieben oder absagen mussten. Es gab auch für das kommende Jahr keine Anfragen und Gespräche mehr – das Thema Hochzeit war kein Thema mehr. Durch die sukzessiven Lockerungen werden die ersten Hochzeiten wieder gefeiert. Zwei Paare, die ihren Termin eigentlich verschoben hatten, sind sogar auf das eigentliche Datum zurückgekommen. In ihren Reden streift Susanne das Thema Corona nur am Rande. Allerdings ist sie diejenige, die zu Beginn der Zeremonie die Hygieneregeln vorlesen muss. https://www.freie-traurednerin.de

Susanne Gamber: „Ich bin so froh, dass es ab 1. Juli wieder neue Lockerungen gibt, die es meinen Hochzeitspaaren möglich macht, ihren wichtigsten Tag so zu feiern, wie sie es sich gewünscht haben. Natürlich gibt es noch immer ein paar Einschränkungen, aber ich glaube der Großteil ist einfach nur froh, dass die Feier stattfinden kann. Für mich selbst bedeutet das, dass wenigstens das zweite Halbjahr wieder einigermaßen normal läuft und darauf freue ich mich unheimlich!“


Tanja und Theresa sind im Orgateam der Goldstadtkinder  Die Goldstadtkinder sind die neuapostolischen Jugendlichen aus Pforzheim und dem Enzkreis.

Tanja:“Durch die Pandemie wurden unsere Präsenzgottesdienste komplett untersagt und wir haben seit Mitte März jeden Sonntag Videogottesdienste. Jugendgottesdienste, welche eigentlich monatlich immer durchgeführt wurden, können leider momentan nicht stattfinden. Kein Gebäude der neuapostolischen Kirche in Pforzheim ist so groß, dass alle Jugendlichen und die geforderten Abstandsregeln rein passen. Aktuell können wir den Jugendlichen nur Videoandachten oder mal einen Jugendabend via Teams bieten. Doch das finde ich ist alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn eigentlich sehen wir uns alle mindestens einmal monatlich. Am Sonntag war die Freude dann schon extrem groß auf den Gottesdienst im Autokino Freibadbühne Remchingen. Alle vom OrgaTeam und auch das MusikOrgaTeam und haben die Daumen gedrückt. Wir waren gespannt wieviel überhaupt kommen, ob überhaupt jemand kommt, ob sich die knappe Zeit der Organisation seit Bekanntmachung von einer Woche überhaupt gelohnt hat. Ehrlicherweise haben wir nicht mit so vielen gerechnet. Wir waren insgesamt 133 GD-Teilnehmer. Noch ein ehrliches Geständnis, ich war die Tage vorher überhaupt nicht nervös, aber am Sonntagmorgen dann wie angestochen. Dass es alles so gut funktioniert, egal bei welchem Wetter, hätte ich nicht gedacht.
Der Priester, der den Gottesdienst gehalten hat, erzählte nachher, dass die Scheibenwischer ihm das Gefühl gegeben hätten, die Jugendlichen in den Autos winken ihm zu. Für mich war es ein sehr emotionales Ereignis nach so viel Abstand ein paar bekannte Autos und die noch bekannteren Gesichter zu sehen. Das Hup- und Blinkkonzert beim Ausfahren hat mir nochmal die Socken ausgezogen und das Hochwasser aus den Augen gedrückt. Ich denke wir alle haben an diesem Sonntag mitgenommen, dass live und in Farbe doch besser ist als am Bildschirm zu Hause. Und natürlich ganz speziell dieser Flair vom Autokino und mit schlechtem Wetter und trotzdem war alles so genial. Wir haben einen Gottesdienst gehabt, nicht nur so halb sondern ganz, aber doch irgendwie halb. Nur mit so halbem direkten Kontakt… übers Autoradio und durch die Windschutzscheibe.“


Annette Haug ist Leiterin des Waldkindergarten Birkenfeld WaNaKiBi. Das Konzept kommt gut an. Eine zweite Gruppen wurde eröffnet und das neue Blockhaus ist fast fertig. Momentan betreut das Team „nur halb soviel“ Kinder und sie verbringt „doppelt soviel“ Zeit im Büro. Notbetreuung, erweiterte Notbetreuung, altersgetrennte Gruppen und immer wieder neue Vorgaben. Das muss organisiert, umorganisiert und verwaltet werden. Dem Wald ist das zum Glück egal.

Annette: „Durch die Unterstützung der Gemeinde und vor allem des Bauhofes und einem engagierten, tollen Team, haben wir jetzt eine wunderbare Hütte als Schutzraum für den WaNaKiBi. Wir haben die Corona- Zeit genutzt, um schriftliche Dinge auszuarbeiten, zu planen, aber auch um unsere Plätze im Wald herzurichten und sie liebevoll zu gestalten. Jetzt freuen wir uns aber auch wieder darauf, dass die Kinder ab 29.6.20 den Wald mit Leben füllen und der Kindergartenalltag in den Wald zurückkehrt.“


Sandra Rixen hat viel Energie, viele Interessen und sie möchte die Welt ein wenig besser machen.  Das bedeutet für sie ehrenamtliches politisches, gesellschaftliches und sportliches Engagement in ihrer Stadt.  Sie lebt alleine und wollte die Osterfeiertage  bei ihrer Familie in Norddeutschland verbringen.  Eigentlich kann sie gut alleine sein, sagt sie, aber das war was Anderes. Die Stille, das Heimweh nach der Familie, keine Möglichkeit zur Ablenkung durch Sitzungen, Trainings oder Treffen mit Freunden und Mitstreitern. Das war eine unerwartete und unbekannte  Einsamkeit , die viel in Gang gesetzt hat. Jetzt, wo alles wieder anläuft, arbeitet und handelt sie klarer und fokussierter und freut sich anders auf ihre Aufgaben.

Sandra: “ Vor Corona lebte ich nur so halb und verlor mich in meinen vielen Aufgaben…Die Einsamkeit hat mich wieder ein Stück zu mir selbst geführt und dieser Prozess hält an. I refuse to sink.


Bernd Morlock, Goldschmied, Mechaniker, Objektgestalter und Andrea Jakob, Glaskünstlerin, bilden seit beinahe 5 Jahren eine Ateliergemeinschaft. Sie entwerfen und konzeptionieren mittlerweile überwiegend gemeinsam und arbeiten an ihren filigranen, vielschichtigen und oft rätselhaft versponnenen Objekten und Geschichten in der Werkstatt G8 in Birkenfeld. Andrea lebt in der Schweiz, Mitte März kam die Grenzschließung und Bernd fand sich alleine in seiner Werkstatt wieder mit einer halbfertigen Traumwaage und dem, mitten in der Arbeit befindlichen, Urknall-Modell. Mit der Online- Kommunikation kamen die beiden ganz schnell an ihre Grenzen. Gestaltendes Handwerk lebt von den gemeinsamen Sinneswahrnehmungen, das lässt sich nicht ins Virtuelle verlagern. Bernd beschreibt die letzten Wochen als eine bodenlose, lähmende Leere. Aber es ist ein Ende in Sicht. Ab 15.6. darf Andrea Jakob wieder einreisen aus der Schweiz. www.pelegrinus.de

Bernd: “Es gibt keinerlei Anspruch des Menschen auf immerwährendes Glück. In einer dualen Schöpfung liegen Leben und Verderben stets ganz nah beisammen. Folgerichtig konnte ich auch mit dem Gedanken an eine mögliche Apokalypse recht gut leben. Jedoch war diese Idee immer verbunden mit dem ultimativen Ende unter Donner und Feuer von oben, mit der vesehentlich gestarteten Interkontinental-Rakete oder einem übersehenen Asteroiden, der die Erde trifft. Dass die Apokalypse auch still und leise kommen kann und wie ein stummes Gespenst durch unsere Strassen wandert – das habe ich nun erst in den letzten drei Monaten bitter erlebt und erfahren. Und die Furcht wird uns noch lange begleiten.“


Es nieselt stark und die Kinder üben in großem Abstand voneinander Würfe und Pässe. Das sind keine normalen Trainingsumstände für Handballer. Trotzdem kommen fast alle Kinder regelmäßig zum Training auf den Sportplatz in Eutingen. Beate Lupus ist Trainerin und Jugendleiterin bei der SG Pforzheim-Eutingen e.V. und hat, als der Outdoor-Sport wieder erlaubt war, das Training, bisher online vor der Kamera – jetzt zusammen mit ihren Vereinskollegen auf dem Platz organisiert. Den Spielern ist egal, ob es regnet oder der Boden anders ist als in der Halle , die freuen sich einfach nur darüber, endlich wieder trainieren zu dürfen – auch wenn es „nur so halb“ ist. Mit der Öffnung der Hallen wird der Trainingsbetrieb auch wieder nach drinnen verlagert werden, mit allen Einschränkungen, die es noch gibt.

Beate Lupus: „Mein Fazit – gut, dass mittlerweile wieder was geht, allerdings nur so halb mit doppeltem Aufwand“


Mariella Stoll ist 12 und Fussball ist ihr Leben. Sie gehört zur U14 Auswahl und trainiert im Mädchenstützpunkt, sowie in der D1 beim FC Birkenfeld 08. Nach ein paar Wochen reinem Onlinetrainings hatte sie genug davon und rief ihren Trainer Alen Vidojkovic von der Soccer-Academy Alen an. Erst wurde im heimischen Garten trainiert, dann auf einer Wiese vor dem Stadion und jetzt gab es endlich die Erlaubnis vom Verein, auch auf dem Platz zu arbeiten. Der Trainer sieht durchaus Vorteile in diesem eingeschränkten Training. „Der Focus liegt jetzt stark auf Koordination und Konzentration“ meint er „und das tut Mariella gut.“

Mariella: „Was mir an der Corona Zeit momentan am Besten gefällt, ist dass ich keine Schule habe 😉 und viel mehr Zeit mit der Familie verbringen kann. Anfangs von Corona habe ich meine anderen Familienangehörigen vermisst, diese habe ich aber schon wieder gesehen. Im Fussball fehlt mir der Zweikampf. Es ist kein richtiges Fussball, was wir gerade spielen.“

 


Über Ostern hatte die Familie Brohm ein großes Familientreffen geplant. Fast 30 Familienmitglieder wollten sich in einem Haus im Elsass treffen. Plötzlich war weder die Einreise ins Elsass möglich, noch die Ausreise der Töchter aus der Schweiz und aus Kanada. Die Sehnsucht und die Enttäuschung hat die unfreiwillige Kleinfamilie in Arbeitswut umgewandelt und über die Feiertage im Garten eine Veranda gebaut. Jetzt hoffen alle, daß wenigstens die Töchter und Enkel aus dem Ausland in diesem Sommer noch nach Deutschland reisen können um auf der Veranda zu sitzen. Nicht ganz wie im Elsass und auch kein großes Treffen, aber besser als nichts.

Anja Brohm:  Ein Garten, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020 der Corona Terrasse. Es ist das Abenteuer der fünf Mann starken Besatzung, die diese neue Plattform geschaffen hat, Lichtjahre vom Rest der Familie entfernt. „Beam uns hoch Simi!“


Carmen Richter-Bauser ist Allrounder in Ihrer Familienbäckerei „Bäckerei und Konditorei Jürgen Bauser“ mit 17 Mitarbeitern und hat vor kurzem eine Ausbildung zum Businesscoach IHK abgeschlossen. Eigentlich wollte sie sich selbständig machen mit Coachings, speziell für Frauen. Stattdessen sind jetzt alle ihre Energien, Ideen und Fähigkeiten gefordert,um die Bäckerei sicher durch die Krise zu steuern.

Carmen Richter-Bauser: „Unser handwerklicher Bäckereibetrieb war trotz Lockdown jeden Tag geöffnet. Als Chefin und Coach habe ich sofort entschieden, mein Team so zu motivieren, dass wir Zuversicht, Mut und Optimismus an unsere Kunden weiter geben können.“


Francescas Großmutter ist im März nach monatelanger Krankheit auf Sizilien gestorben. Es war nicht möglich nach Sizilien zu reisen um sich zu verabschieden und an der Beerdigung durften nur 2 Personen teilnehmen. Auch zu ihren Eltern hatte Francesca in dieser Zeit nur telefonisch Kontakt. Inzwischen hat sie ihre Mutter wieder gesehen, aber nur mit Abstand, ohne Umarmung. Jeder trauert für sich alleine.

Francesca:“ Ich glaube, mir fehlt es meine Eltern zu umarmen und, dass ich meine Oma nicht wiedersehen werde, sondern irgendwann den Grabstein und, dass das Haus dort leer sein wird. Aber natürlich konzentriert man sich auf das was man hat und möchte dankbar sein, weil wir ja wirklich so viel haben und es uns wirklich so gut geht gerade im Vergleich zu anderen, gesundheitlich und finanziell. Aber das was fehlt, das fehlt…“


Marion und Arjan: „Wir, Marion Regelmann-Stok und Arjan Stok, sind beide selbständig. Durch Corona-Auflagen wurden wir auf halbe Kraft heruntergebremst. Innerhalb weniger Tage haben wir jedoch durch schnelle Maßnahmen in Birkenfeld ein Multifunktions-Studio mit Beamer, Kamera und Studioscheinwerfer eingerichtet. Tagsüber wird das flexible Studio für Medizintechnik-Webinare (www.stoq.de) genutzt und nach kurzem Umbau bewegt Marion ihre Web-Pilates-Teilnehmer/innen (www.vlindertuin.de). Somit konnten wir jeweils unsere Teilnehmer schon ab Ende März digital fit machen bzw. halten. Digital präsent und doch nicht mit Teilnehmern im gleichen Raum, fühlt es sich „nur so halb“ an.“


Birgit Förster ist seit 4 Jahren Bürgermeisterin von Niefern-Öschelbronn. Sie ist eine Frau mit viel Energie, die ständig in Bewegung ist. Sie ist laut, redet und lacht gerne viel. Sie liebt die Begegnung mit Menschen. Es ist ihr wichtig, auf Veranstaltungen und Vereinsfesten mit ihren Bürgern zu plaudern und zu diskutieren, um die Stimmung im Ort zu erfassen. Momentan gibt es keine Veranstaltungen und sie zählt durch eine Vorerkrankung zur Risikogruppe. Deshalb muß sie sich jetzt mit Martin Amelius, der Tänzerin und dem Krieger in ihrem Büro unterhalten. „Die sind ganz okay“, sagt sie und lacht „aber auf Dauer etwas wenig emphatisch „.

Birgit Förster: „Ich schätze die Begegnungen mit Menschen. Sie bereichern und geben Kraft. Sie sind meine Motivation, in meinem anspruchsvollen Job täglich mein Bestes zu geben. Natürlich kommuniziere ich auch aktuell mit meinen Bürgern.  Ich beantworte E-Mails, pflege unsere Facebookseite, veröffentliche Informationen auf der Homepage oder im Mitteilungsblatt, es gibt digitale Bürgersprechstunden und meinen Kalender füllen zahlreiche Online-Meetings, aber irgendwie ist das alles nur so halb …  – denn die Kommunikation ist oft sehr einseitig!“


In Sabrinas Freundeskreis sind kürzlich zwei Babys zur Welt gekommen und  Eines ist unterwegs. Besuche im Krankenhaus waren verboten und auch zu Hause sind die Familien noch sehr vorsichtig.
Das erste Kennenlernen ist damit auf unbestimmte Zeit verschoben. Es gibt momentan nur Fotos aufs Handy. Geschenke für Mamas und Babys hat sie trotzdem. Sabrina hat Tüten gepackt, die sie den neuen Eltern vor die Türe stellt. „

Sabrina: “ Ich bin schon ein bisschen traurig, daß ich die Babys nicht gleich besuchen kann. Der erste Blick auf ein neugeborenes  Kind ist einfach ein besonderer Moment. Geschenke habe ich natürlich trotzdem und stelle sie jetzt vor die Türe. Wenn ich zu lange warte, passen die Sachen auch nicht mehr.“


Karin Alexandra Weber ist Rektorin der Friedrich-Silcher-Grundschule in Birkenfeld. Sie gehört zur Risikogruppe und hatte sich eigentlich bereit erklärt, trotzdem weiter an der Schule zu arbeiten. Am 27.4. wurde sie ins Home-Office geschickt und leitet die Grundschule seitdem vom Arbeitszimmer aus. Sie ist ständig in Kontakt mit Ihrer Schule, der Gemeindeverwaltung, anderen Schulleitern und den Schulämtern um die Vorschriften und Regelungen zeitnah und sinnvoll umzusetzen. „

Karin Weber: „Dank der modernen, digitalen Technik ist eine schulische Planung und Vernetzung  heutzutage natürlich problemlos möglich. Man kann  Hygieneregeln, sich ständig wandelnden Corona -Verordnungen, neue Stundenpläne usw. auch funktionell im Homeoffice organisieren, wenn man wie ich ein tolles Lehrerkollegium  hat, das alles bravourös umsetzt. Mir  fehlen aber  die Menschen, die das eigentliche Schulleben ausmachen. Die lachenden , quirligen Kinder, meine herzlichen Kolleg*innen, meine tolle Sekretärin, unser motivierter Hausmeister, die engagierten Eltern – einfach die positiven , menschlichen Kontakte, die in unserer Schule einen sehr hohen Stellenwert haben.“


Erik Edelmann ist 13 und wurde 2019 Jahrgangsmeister im Brustmehrkampf in Baden-Württemberg. Er schwimmt für die SSG Pforzheim und wollte sich in diesem Frühjahr bei den Süddeutschen Jahrgangsmeisterschaften in Dresden für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin qualifizieren. Dafür war auch ein Trainingslager auf Lanzarote geplant. Stattdessen hatte er seit Mitte März kein Training mehr. Die Schwimmhallen sind seitdem geschlossen. Erik hat mit seiner Mutter im Internet nach Seen in der Umgebung recherchiert und stieß dabei auf die Seewaldseen in Vaihingen als einziges nicht coronabedingt geschlossenes Badegewässer in der Umgebung.

Erik: „Normalerweise trainiere ich sechs Tage in der Woche. Das Training ist ein wichtiger Teil meines Alltags. Ich trainierte zwar weiter täglich, aber ungewohnt oft zu Land Athletik und Ausdauer. Die Einheiten an den Seen waren eine willkommene Abwechslung. Trotzdem fühlt sich alles „nur so halb“ an: Mir fehlen die anderen Sportler und die Wettkämpfe immer mehr. Ich freue mich, dass es jetzt – wenn auch nur langsam – endlich wieder losgeht.


Petra Kunzmann leitet die Gemeindebibliothek in Birkenfeld. Nach einem Brand vor 4 Jahren musste die Bibliothek in deutlich kleinere Räume umziehen und das Team ist es gewohnt, auch unter ungewöhnlichen Umständen den Betrieb aufrecht zu erhalten. In den Räumen ist es nicht möglich, Abstände einzuhalten und deshalb dürfen die Leser die Bibliothek nicht mehr betreten. Jetzt können die Kunden ihre Bücher telefonisch bestellen und dann kontaktlos abholen. Die Rückgabe erfolgt im Eingangsbereich auf großen Tische. Die Mitarbeiterinnen sitzen hinter dem Tresen. Die Kommunikation ist nur über diese Distanz möglich.

Petra Kunzmann: “ Die Bibliothek ist ein lebendiger Ort und soll mit der neuen Planung noch lebendiger, zum 3. Ort für alle werden. Jetzt sind wir auf die reine Magazinbibliothek, wie sie vor hundert Jahren üblich war, reduziert und es wird  überdeutlich, dass Bibliothek viel mehr ist, als nur Bücher auszuleihen.“


Pfarrer David Dengler am 17.5.2020, dem geplanten Konfirmationtag, in der evangelischen Kirche Birkenfeld.

David Dengler: „Konfirmation – Nur so halb
Konfirmation. Da denken wir an volle Kirchen, an festlich gekleidete Jugendliche, an eine fröhliche Familienfeier mit gutem Essen. „Nur so halb“ möchte man sich eine Konfirmation eigentlich nicht vorstellen. In diesem Jahr ist alles anders. Eine Konfirmationsfeier im Mai war nicht möglich, deswegen wurde der Termin auf Ende September verschoben. Trotzdem war der 17. Mai bei allen Familien fest gespeichert. Um dieses Datum trotzdem zu würdigen, haben wir uns an diesem Tag zu einer Gedenkfeier in der Kirche getroffen: nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden, ohne Blumenschmuck, ohne festliche Kleidung, ohne Gemeinde und ohne Gesang. War das alles nur so halb? Einerseits schon, andererseits aber auch nicht! Denn was gerade an diesem Tag den Jugendlichen voll und ganz zugesagt wurde, war Gottes Segen. Gerade in aller Bruchstückhaftigkeit, in allen halben Sachen dürfen wir wissen: Gott ist voll und ganz für uns da!“


Martina Heuser, Facherzieherin für Integrations- und Inklusionspädagogik, und Monika Baumbusch, Integrationshilfe. Beide zählen zu einer Risikogruppe und dürfen nicht mit den Kindern arbeiten. Sie kommen in den Kindergarten, wenn die Kinder zuhause sind und erledigen Organisatorisches, Reparaturen und Vorbereitungen.

Martina: „Wenn ich unseren leeren Kindergarten sehe, in dem keine Kinder spielen, lachen und toben, dann fühlt sich das für mich nicht nur halb an, sondern noch viel weniger. Die Kinder fehlen mir und ich sehne mich sehr nach einem  Wiedersehen“.

Moni:“ Diese extreme Entschleunigung in der heutigen Zeit, wenn das Leben plötzlich „halbiert“ wird – da bin ich für manche Momente auch dankbar, denn vor Kurzem wäre das unvorstellbar gewesen. Aber es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht halbieren. Ein Kindergarten ohne laute, spielende Kinder ist leer und fühlt sich auch ganz leer an. Diese Leere versuche ich jetzt zu füllen. Mit der Hoffnung und der Vorfreude die Kinder ganz bald wieder zu sehen.“


Martin Steiner ist Bürgermeister in Birkenfeld. Er gehört sicherlich zu den Menschen, denen die letzten Wochen sehr viel abverlangt haben. Um die Hygieneregeln einhalten zu können, findet die erste Gemeinderatssitzung nach dem Lockdown in der Turnhalle statt.

Martin Steiner: “ Normalerweise tagt der Gemeinderat einmal im Monat. Die letzte Sitzung des Gemeinderates fand im Februar statt, d.h. sowohl im März, als auch im April tagte der Gemeinderat nicht. Dennoch wurden Beschlüsse mittels Eilentscheidungen und in Form von Umlaufbeschlüssen gefasst. Hierzu gab es einen engen und ständigen Austausch mit den vier Sprechern der im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen. Die zurückliegenden Wochen haben uns einiges abverlangt, es galt die ständig neuen Verordnungen der Landesregierung umzusetzen, den Betroffenen die Einschränkungen zu erklären, gleichzeitig auf die Angst und Verunsicherung der Bevölkerung einzugehen und trotz aller Belastungen und Unsicherheiten die Zuversicht nicht zu verlieren.“


Antonia und Luis kennen sich aus der Ballettschule. In den Monaten vor dem Lockdown haben sie intensiv für eine Aufführung von Schwanensee geprobt. Momentan ist die Ballettschule geschlossen.

Antonia: “ Das Tanzen und die Ballettschule fehlt uns beiden sehr. Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, trainieren wir zu Hause nach Videos, die unser Lehrer schickt. Die Aufführung wurde zwar abgesagt, aber wir haben trotzdem Spaß dabei. Ich bin gespannt, wie unser Unterricht aussieht, wenn die Ballettschule wieder öffnet. Hoffentlich nicht nur so halb“


Danijela Novakovic betreibt das Café „Alte Bäckerei“ in Birkenfeld. Der Backwarenverkauf war die ganze Zeit geöffnet. Das Café musste sie schliessen. Jetzt könnte auch das Café wieder öffnen, die Räume sind allerdings zu klein und die Auflagen zu umfangreich. Sie hat weiterhin Tische und Stühle beiseite geräumt und wartet.

Danijela: “ Mein Laden ist geöffnet, aber auch nicht geöffnet. Ich vermisse das Ganze um mich herum. Ich bin ziemlich traurig und langsam depressiv. Ich vermissen meine Kunden, die dasitzen und Leben in meinen Laden bringen, die lachen und Kaffe trinken und sich freuen mich zu sehen, wie ich da hinter meiner Theke ohne Plastik und Mundschutz stehe. Wie wir lachen und tratschen und diskutieren. Ich bin nur noch halb da. Ich bin nicht mehr motiviert, meinen Laden zu dekorieren, weil jeder nur noch schnell wieder raus möchte, wenn draussen der nächste Kunde wartet. Es gefällt mir nicht, so wie es ist. Meine Kunden kommen mit Maske, ich erkenne sie kaum, ich sehe nicht, wie es Ihnen geht und ich verstehe sie kaum hinter meinen Scheiben. Ich habe Angst, daß das jetzt so bleibt“.


Marlene ist Schülerin, liebt Musik, Yoga, die Katze und ihre Ruhe.

Marlene: “ Für mich persönlich war der Lockdown nicht gerade das Ende der Welt. Ich habe es bisher sehr genossen mal keine Schule zu haben, und den ganzen Tag zuhause bleiben zu können-und dafür auch keine Entschuldigung zu brauchen. Auf die Weise habe ich den ganzen Tag Zeit das zu machen, worauf ich Lust habe (bis auf ein bisschen Schulzeug). Ich bin in der Zeit sehr viel aktiver geworden, weil ich zum einen die Zeit, und zum anderen die Motivation habe, etwas anderes zu tun außer Schule. Wie man in dem Bild sehen kann, habe ich mich in der Zeit sehr stark auf Bass spielen fokussiert. Zwar wurde zum Beispiel die Sportart abgesagt, die ich sonst regelmäßig praktiziere und ich sehe in der Zeit natürlich meine Freunde nicht, allerdings wird das auch bald wieder anfangen. Mir hat die Pause sehr gut getan und mir geht es allgemein einfach viel besser als sonst.


Julian Baumbusch, Inhaber von TeeGschwendner in Pforzheim, hatte die ganze Zeit geöffnet. Er hat viele Stammkunden und ein schnell organisierter Lieferservice wurde sehr gut angenommen.

Julian Baumbusch: „Wir haben in den letzten Woche versucht alles erdenklich Gute zu tun, um unseren Betrieb am laufen zu halten. Die Empathie, die Rücksichtnahme, der Respekt und die Hilfsbereitschaft in dieser Zeit waren umwerfend. Viele Kunden, die uns bedingungslos unterstützt haben und vieles mehr. Am Meisten fehlen mir momentan die Gesichter meiner Kunden, sprich die Mimik, und nicht nur die Augen. Ich wünsche mir, daß wir uns in absehbarer Zukunft wieder normal begegnen können,“


Das Kollegium der Friedrich-Silcher-Schule in Birkenfeld ist zur Zeit in vieler Hinsicht „nur so halb“. Es fehlen mehrere Kollegen, die nicht unterrichten dürfen. Die Kinder dürfen nur in halbierten Klassen unterrichtet werden und mit verkürzten Unterrichtszeiten. Es gibt keine gemeinsamen Pausen.

An unsere Schüler: “ Wir vermissen Euch ! Eure Freude, euer Lachen, eure Motivation und eure Nähe. Die Zimmer sind leer, die Flure still und der Schulhof langweilig. Ohne Euch sind wir einfach „nur so halb““

Lehrer der Friedrich-Silcher-Schule in einem Klassenzimmer - Fotoprojekt Nur-so-halb von Stefanie Morlok Fotografin

„Solange Ihr Kinder nicht alle da seid, müssen wir Lehrer eben selber Blödsinn machen….“